Fomo – ein Rückfall

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Eigentlich denke ich, dass die chronische Krankheit meiner Teenagerzeit endgültig auskuriert ist, aber dann und wann erleide ich einen fiesen Rückfall und werde von Fomo niedergerafft. Und wenn ich dann gedanklich von Option zu Option hechte, muss ich feststellen: Fomo tut weh! Und: Thank god, that’s over!

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Laut Wikipedia ist die fear of missing out kein medizinisch anerkanntes Krankheitsbild. Ich finde, das sollte man ändern. Lieber liege ich mit Magen-Darm Grippe eingerollt auf den Fliesen meines Badezimmers als mit Fomo fingertrommelnd im Bett. Könnte ich meinen Körper, diesen unverschämten Nebendarsteller mit seinem maßlosen Schlafbedürfnis und den schweren Gliedern doch einfach hier liegen lassen und alleine losziehen. Dann würde ich von Party zu Party schweben, einen kleinen Zwischenstop beim gemütlichen Zusammensein in der Raucherkneipe einlegen, anschließend wohlduftend zum Lesekreis gleiten und auf allen Hochzeiten meiner Freunde gleichzeitig tanzen.

Ich würde Fomo die rote Karte zeigen, weil ich schlichtweg nichts mehr verpasste! Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Er ist ja da: Mein müder Körper und er hat leider auch Grundbedürfnisse und manchmal sogar Grenzen. Ein paar meiner Fomo-Freunde haben mir morgens Ritalin und abends eine Lineempfohlen, aber ich bin ein Schisser, und so gebe ich eben klein bei, wenn es wieder heißt: Ab ins Bett, aber zack, zack! Dann renne ich müde durch die Wohnung und suche verzweifelt nach meiner inneren Ruhe, um mich selbst mal so richtig zu enjoyen, aber Fomo nimmt mich ganz schön ein.

Über die vielen virtuellen Spaßvorschriften haben wir ja bereits gesprochen und ja – Facebook, Twitter und Instagram wirken bei Fomo wohl ungefähr so förderlich, wie schmökern mit ’ner Lungenentzündung, aber tatsächliche Ursache von Fomo sind sie wohl nicht. Vielleicht ist es nur der zu einfache Weg dorthin, den sie eröffnen, bestehend aus einem kleinen Wisch übers Smartphone. (Und das ist ja bekanntlich immer da. Wenn nicht, dann rastet Fomo völlig aus und das ist mit kaltem Entzug gleichzusetzen und dementsprechend bekanntlich ungesund und nur in äußersten Notfällen zu empfehlen).

Zurück zu dem allzu einfachen Weg in die Fomo Krise: Du kämest dir wohl ziemlich geistesgestört vor, wenn du trotz Müdigkeit und eigentlich völliger Unlust, irgendwie am (echten) sozialen Leben da draußen teilzunehmen, ständig die Anstrengung auf dich nehmen würdest, den Computer auf und zu zuklappen, nur um mitzukriegen, was du nicht mitkriegst. Aber dank dem smarten Phone kannst du dich easy peasy durch die Erlebnisse der anderen wischen und touchen und Fomo geht es runter wie Öl. Dein Handy macht aus Scheiße Gold, lässt jeden noch so traurigen Smiley irgendwie lustig aussehen und füttert Fomo geradezu fett.

Smartphone ist also schonmal Gift, wenn du unter Fomo leidest.

Was noch? Freunde! Zwar verbringen wir mit denen wesentlich weniger Zeit als mit unseren Smartphones, trotzdem sind sie ein unglaublicher Krankheitsförderer, wenn es um Fomo geht. Die sind im schlimmsten Falle nämlich alle total unterschiedlich und während die eine auf allen Partys der Stadt abdanced, macht sich die andere ’n Gemütlichen Zuhause, der dritte sportelt sich durch die Parks und die vierte demonstriert sich die Füße wund. Kurz: Alle machen unterschiedliche Sachen, alle wollen dich dabei haben (…klar…) und das schlimmste: Du willst überall dabei sein…Denn du leidest an FOMO!!!

Man könnte es auch positiv formulieren, indem man dich als unglaublich facettenreich und weitläufig interessiert charakterisiert. Oder eben einfach nur zu blöd, um zu wissen, was du willst. Ein typisches Symptom von Fomo.

Ein wunderbares Gegenmittel scheint eine Liebesbeziehung zu sein. Die Fomo-Symptome wirken wie weggeblasen und was bleibt ist Yolo im privaten Raum. Aber auch die Beziehung ist nur eine billige Aspirin. Sie gaukelt dir etwas vor, bis du dann irgendwann gemeinsam einsam bist und dann schlägt Fomo gleich doppelt und dreifach zu und was das bedeutet, wissen die Cheater unter uns.

Nein kein Freund, keine Freundin kann dich heilen von Fomo. Du allein musst dich um das einzig wirksame Gegenmittel kümmern: Contenance.

Keine Party, kein Event, auf das du nur gehst, weil Fomo dich zwingt, wird dich glücklich machen. Jedes Mal kehrst du frustriert zurück und musst dir wieder bewusst darüber werden, dass du rein gar nichts verpasst hast, außer die ordentliche Portion Schlaf, den schönen Film und die wunderbare Erfahrung, dir selbst genug zu sein.

Lange habe ich mich von Fomo an der Nase herum führen lassen, bis ich erkannte, dass Zeit limitiert ist und es eh schon in den Schicksalsstein gemeißelt ist, ob ich was verpasse oder nicht. Meinen kleinen Fomo-Rückfall habe ich im Keim erstickt, indem ich die Schocktherapie gemacht und einfach ALLES abgesagt habe. Und siehe da, am nächsten Tag war Fomo wieder weg und das ganz ohne Smartphone, Dancefloor oder Freund. Just me.

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